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Umsetzung der Bewegten Schule in Osttirol

22. August 2021

„Kinder wollen und müssen sich bewegen“. Diese These gilt als Binsenweisheit und das nicht erst seit heute. Viele namhafte Pädagogen der Vergangenheit erkannten bereits die Wichtigkeit dieser Forderung. Rousseau gab in seinem „Emile“ den Ratschlag: „Wollt ihr also die Intelligenz eures Zöglings fördern, so fördert die Kräfte, die er beherrschen muss. Trainiert ständig seinen Körper, macht ihn robust und gesund, damit er klug und vernünftig wird. Haltet ihn dauernd in Bewegung, lasst ihn rennen, schreien, sich anstrengen und bestätigen, lasst ihn durch Kraft ein Mensch sein, und bald wird er es durch die Vernunft sein.“

 

Daraus wächst die Erkenntnis, dass Bewegung in der Erziehung niemals fehlen darf, sprich in die Schule integriert werden muss. Da die junge Generation mindestens die Hälfte ihrer Zeit in der Schule verbringt, muss die Bewegung ebendort vermehrt stattfinden.

 

 

Eine gute Bewegte Schule erkennt man am Zusammenspiel zwischen Bewegung, Spiel und Sport einerseits und Organisation, Kooperation und Vernetzung andererseits:
• Unterricht ist kindgerecht, lehr- und lerngerecht rhythmisiert
• Methodenvielfalt durch bewegtes bzw. bewegendes sowie selbsttätiges Lernen
• Sportunterricht gewinnt an Qualität und Quantität
• Pausen sind bewegt gestaltet
• keine fixen 50min-Einheiten
• Kooperation der Schule mit Eltern, Gemeinde, Vereinen, Umfeld etc.
• Bewusstseinsbildung bei Lehrpersonen bezüglich Gesundheit und des Gesamtsystems
• Partizipation aller am Schulleben Beteiligten

 

 

Es gibt drei zentrale Aspekte, warum Bewegte Schule Sinn macht, ja sogar notwendig ist.
1. Erstens trägt Bewegte Schule einen großen Beitrag zur Gesundheit der Kinder bzw. zur allgemeinen Schulgesundheit und -qualität bei.
2. Zweitens entwickelt Bewegte Schule die sozialen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler.
3. Und drittens wird das Lernen durch Bewegung ganzheitlich gesichert.

 

 

Gemäß einer Untersuchung der „Bewegten Schule Österreich“ hat es nur eine einzige Volksschule in Osttirol geschafft, die dafür geltenden Gütesiegelkriterien zu erfüllen. – Man unterscheidet zwischen dem goldenen, silbernen und bronzenen Gütesiegel.
Daher beschäftigt sich die empirische Untersuchung mit den Bereichen der Bewegten Schule, die bereits umgesetzt und welche Ansätze noch ausbaufähig sind. Genauer gesagt beschäftigt sie sich mit der Forschungsfrage „Wie hoch ist der Anteil der Grundschulen in Osttirol, die das Konzept der „Bewegten Schule“ oder zumindest Teile dieses Konzeptes im Alltag umsetzen?“ Vor allem aber auch der Vergleich zur einzig bewegten Volksschule in Osttirol wird hergestellt.

 

 

Für die Datenerhebung wurde ein bereits erprobtes Messinstrument verwendet, nämlich der Kriterienkatalog der Bewegten Schule Österreich.
Die Umfrage wurde im April 2020 für sechs Wochen freigeschaltet, in der jeweils eine Lehrperson oder gar die Schulleitung selbst teilnehmen konnten. Insgesamt sind von 39 maximal ausgefüllten Fragenbogen, 32 vollständig ausgefüllt zurückgekommen, das eine Rücklaufquote von 82% ergibt.
Die Daten wurden mit dem Tool „Survey“ erhoben und im Programm „Excel“ analysiert und bearbeitet.
Für die Auswertung wurden die Fragen in einzelne Rubriken unterteilt, sodass man im Nachhinein besser erkennen kann, in welchem Themenbereich bereits Bewegte Schule umgesetzt wird und in welchem noch nicht.

 

 

Dabei kamen folgende erfreuliche Ergebnisse heraus, die bereits weitgehend umgesetzt worden sind:
• Die große Pause findet zu 81% im Freien statt.

 

Abb. 1: Die Statistik aus der Erhebung zeigt wie oft Lerninhalte mit Bewegung kombiniert werden.

 

• Lerninhalte werden zu 97% mit Bewegung kombiniert.
• Die starren 50-Minuten-Takte sind zugunsten einer lehr- und lernfördernden Rhythmisierung zu 75% aufgelöst.
• Es finden zu 100% 1x pro Semester für alle Klassen Wandertage statt.
• Es gibt in jeder Volksschule Vernetzungen mit öffentlichen Einrichtungen z.B. Sportvereinen oder Sportinitiativen.

Abb. 2: Die Statistik aus der Erhebung zeigt wie oft SchülerInnen Bewegungshausaufgaben bekommen.

 

Folgende Bereiche sind noch ausbaufähig:
• Zu 61% ist die Sporthalle für eine bewegte Pause nicht zugänglich.
• 71% der Schulen erteilen nie Bewegungshausaufgaben.
• Zu 88% werden keine neuen Beispiele für Bewegtes Lernen und für Bewegungsimpulse in Konferenzen vorgestellt.

 

 

Die Bewegte Schule im Vergleich nützt ihre Ressourcen – die nicht anders aussehen als die in anderen Volksschulen – einfach viel intensiver, sodass diese Bewegte Schule bereits ein bronzenes Gütesiegel erlangen konnte.
Der Unterschied zwischen dieser Schule und allen anderen Volksschulen in Osttirol ist also nicht sonderlich ausgeprägt, sodass bestimmt einige Schulen in der Lage wären sich mit ein wenig Aufwand zu steigern und zumindest das bronzene Gütesiegel zu erzielen.

 

 

Wieso sich Bewegte Schule bewährt, schildern hier einige Zitate von Lehrpersonen, die in solch einer Schule unterrichten:
• Der Unterricht wird aufgelockert.
• Die Kinder haben sichtlich mehr Spaß.
• Die Kinder sind viel konzentrierter.
• Die Aufmerksamkeit und Motivation aller Kinder sind gestiegen.
• Die Schülerinnen und Schüler sind selbstbewusster und selbstständiger geworden.
• Das Klima in der Klasse hat sich verbessert.
• Mir als Lehrperson macht das Unterrichten mehr Spaß.
• Die Kinder lernen leichter, wenn sie sich dabei bewegen.
• Die Kinder haben sich koordinativ und motorisch weiterentwickelt.
• Obwohl Bewegung im Unterricht ist, herrscht mehr Ruhe im Raum.
• Die Haltung der Kinder verbessert sich und wirkt gesünder.
• Bewegung ist niemals Zeitvergeudung – Bewegung ist immer Zeitgewinn!
• Bewegte Schule bringt „Farbe“ ins Schulleben.

 

In diesem Sinne: „Bewegung macht schlau“.